Island im Winter. Sturm, Schnee, Dunkelheit – und eine Handvoll Surfer:innen, die auf der Jagd nach perfekten Wellen an Orte vordringen, die kaum jemand zuvor besucht hat. Filmemacher Chris Burkard hat diese Expedition festgehalten und stellt eine zentrale Frage: Wie weit gehst du für die perfekte Welle – wenn die Temperaturen unter Null fallen, Schneestürme toben und selbst die Straßen zu Eiswüsten werden? „Under An Arctic Sky“ ist kein klassischer Surf-Film mit blauem Wasser und sonnigen Line-ups. Er ist eine Expedition ins Unbekannte – und eine Prüfung an die Grenzen der Leidenschaft. Ob der Film für dich der richtige ist, hängt davon ab, was du von einem Surf-Film erwartest.
Worum geht es in „Under An Arctic Sky“?
Der Film folgt Chris Burkard und einer Gruppe von sechs Surfer:innen auf einer Winterexpedition nach Island. Ihr Ziel: unberührte Spots an der isländischen Küste, die im Sommer kaum erreichbar und im Winter schlicht lebensfeindlich sind. Temperaturen weit unter null, Schneestürme, Straßen, die sich in Eiswüsten verwandeln – das sind die Bedingungen, unter denen die Crew unterwegs ist.
Die Surfer:innen im Film sind keine Unbekannten: Mit dabei sind unter anderem Ian Walsh, Parker Coffin, Chadd Vitale, Josh Mulcoy, Eithan Osborne und Alex Gray. Walsh, bekannt als einer der besten Big-Wave-Surfer der Welt, steht dabei exemplarisch für den Anspruch des Films. Hier geht es nicht um Show, sondern um echtes Coldwater-Surfen unter harten Bedingungen.
Der Handlungsbogen ist klar: Die Crew kämpft sich durch widrige Wetterverhältnisse, findet Spots, die noch nie jemand gesurft hat, und steht immer wieder vor der Frage, ob die Bedingungen überhaupt surfbar sind. Dass am Ende tatsächlich Wellen geritten werden (und was für welche), ist der emotionale Kern des Films.

Under An Arctic Sky
- Genre: Surf-Dokumentation / Adventure-Shortfilm
- Laufzeit: ca. 40 Minuten
- Regie: Chris Burkard
- Erscheinungsjahr: 2017
- Drehort: Nordküste Islands / Region Hornstrandir
Bildsprache und Atmosphäre: Coldwater-Surf als Ästhetik
Chris Burkard ist vor allem als Fotograf bekannt, und das merkt man. Der Film entstand aus seiner langjährigen Faszination für Coldwater-Spots und die raue Schönheit des Nordens, eine Ästhetik, die er seit Jahren in seiner Fotografie verfolgt.
Die Bilder in „Under An Arctic Sky“ sind entsprechend: schwarze Lavaküsten, schneebedeckte Berge im Hintergrund, grün-graues Wasser, das Nordlicht über den Wellen. Die Kameraarbeit setzt auf Weite und Kontrast – die winzigen Silhouetten der Surfer:innen vor mächtigen Wellenwänden, das Licht, das durch Wolkenbrüche bricht. Wer Surf-Filme vor allem wegen der Wellenbilder schaut, bekommt hier etwas, das sich deutlich von karibischen oder hawaiianischen Produktionen unterscheidet.
Die Atmosphäre ist ruhig, manchmal fast meditativ, und dann wieder roh und unmittelbar, wenn die Crew gegen Sturm und Kälte ankämpft. Der Film nimmt sich Zeit. Er zeigt nicht nur die Sessions, sondern auch die Wartezeit, die Erschöpfung, die Zweifel. Das macht ihn dichter als viele reine Action-Compilations.
Die thematischen Schwerpunkte: Mehr als Surf-Action
Der Film hebt sich von reiner Surf-Dokumentation ab, weil er die äußeren Bedingungen zur inneren Prüfung macht. Zwei Spannungsfelder ziehen sich durch die gesamte Handlung: Auf der einen Seite steht die Frage, was es bedeutet, Spots zu surfen, die noch nie jemand gesurft hat, welche Spuren die Crew an diesen unberührten Orten hinterlässt und welche Verantwortung sie dafür trägt. Auf der anderen Seite verhandelt der Film, wie viel Kälte, Sturm und Entbehrung echte Leidenschaft rechtfertigt, und ab wann sie in rücksichtslose Sturheit umkippt. Diese Ebenen machen den Film interessant für Zuschauer:innen, die mehr wollen als ein Highlight-Reel. Wer dagegen vor allem spektakuläre Wellen sucht, muss sich durch einen erzählerischen Rahmen arbeiten, der aber gut gebaut ist.
Für wen ist der Film geeignet?
„Under An Arctic Sky“ ist kein Einsteiger-Film und auch kein reines Action-Spektakel. Er richtet sich an Zuschauer:innen, die Surf-Filme als Fenster in eine Kultur und eine Lebensweise verstehen, nicht nur als Sammlung von Wellen-Clips.
Du wirst den Film mögen, wenn dich Surf-Dokumentationen ansprechen, die Atmosphäre und Kontext liefern statt nur Action, und wenn Expeditions-Geschichten, bei denen das Scheitern genauso zum Erzählbogen gehört wie der Erfolg, deinen Nerv treffen. Wer Burkards Fotografie kennt und sehen will, wie sein Blick auf Bewegtbild übertragen wirkt, findet hier genau das. Weniger geeignet ist der Film, wenn du vor allem Contest-Surf oder High-Performance-Manöver sehen willst, lange atmosphärische Passagen ohne viel Surf-Action dich ungeduldig machen oder du den isländischen Winter eher als Kulisse denn als Protagonisten wahrnimmst.
Was macht den Film besonders?
Surf-Filme über Island gibt es inzwischen einige, aber „Under An Arctic Sky“ war einer der ersten, der den Winter konsequent als Hauptthema gesetzt hat (nicht als dramatische Hintergrundkulisse). Burkard hat damit eine Ästhetik geprägt, die seitdem viele Nachfolger gefunden hat: Coldwater-Surf als Statement, nicht als Notlösung.
Wer sich für die Faszination des Coldwater-Surfens interessiert, findet hier einen Film, der diese Welt ernstnimmt. Ähnlich wie „Life of Kai“ zeigt auch „Under An Arctic Sky“, dass die besten Surf-Dokus immer dann entstehen, wenn die Grenzen des Machbaren neu verhandelt werden und die Kamera nah genug dran ist, um das einzufangen.
Der Film ist auf verschiedenen Streaming-Plattformen verfügbar, Laufzeit rund 60 Minuten. Ein Abend, der sich lohnt, wenn du weißt, worauf du dich einlässt.






