Ein neues Video des Filmemachers Kyle Buthman über die Surf-Legende Mickey Muñoz erobert gerade das Internet. Die sieben Minuten lange Dokumentation mit dem Titel „How to surf till you’re 100, BRAINWORK: MICKEY MUNOZ“ hat in nur wenigen Wochen über 56.000 Aufrufe erreicht und begeistert die Surfgemeinschaft weltweit. Was macht dieses Video so besonders und wer ist der Mann, der mit 87 Jahren immer noch die Wellen reitet und nicht daran denkt aufzuhören?
Ein Einblick in Muñoz‘ Lebensphilosophie
Kyle Buthmans „Brainwork“-Serie hat mit dem Porträt von Mickey Muñoz einen Nerv getroffen. In einer Zeit, in der die sozialen Medien von kurzlebigen Trends dominiert werden, bietet das Video etwas Tiefgründigeres: die Lebensweisheit eines Mannes, der seit mehr als sieben Jahrzehnten surft und dessen Begeisterung ungebrochen ist.
„Wir haben es noch nicht geschafft, physisch schneller als das Licht zu sein, aber mental haben wir es geschafft“, sagt Muñoz zu Beginn des Videos.
Diese Aussage hat in der Surf-Community und darüber hinaus für Aufsehen gesorgt. In einer Welt, die von Anti-Aging-Produkten und der Angst vor dem Älterwerden geprägt ist, zeigt Muñoz eine erfrischend andere Perspektive: Das Alter ist nur eine Zahl, und die Leidenschaft für das Surfen kann ein Leben lang anhalten.
Von New York nach Malibu: Mickey Muñoz‘ Weg zur Surf-Ikone
Geboren 1937 in New York City, begann Mickey Muñoz‘ Reise in die Surfwelt, als seine Familie nach dem Zweiten Weltkrieg nach Kalifornien zog. Sie ließen sich an der Grenze zwischen Venice und Ocean Park nieder, nur zwei Blocks vom Strand entfernt. Seine Mutter, selbst eine begeisterte Schwimmerin, führte ihn an das Wasser heran.
„Mein erstes Board war ein sogenanntes Surf King Junior, ein hohles Sperrholz-Paddleboard. Das war 1947 oder 1948″, erinnert sich Mickey. Das Brett wog etwa so viel wie er selbst – rund 60 Pfund. „Ich musste es den Strand hinunterschleppen, um damit zu surfen. Am Ende einer Session war ich so müde, dass ich es nur noch Stück für Stück bewegen konnte.“
1950 bekam er sein erstes richtiges Surfboard, ein Balsa-Board von Joe Quigg, das nur etwa 18 Pfund wog. „Es war ein riesiger Unterschied. Es ermöglichte einer kleinen Person wie mir, es zu tragen, zu paddeln und viel leichter zu manövrieren.“
In den frühen 1950er Jahren etablierte sich Muñoz als einer der besten Surfer Kaliforniens in Malibu. Doch er wurde nicht nur für seine Fähigkeiten auf dem Brett bekannt, sondern auch für eine besondere Verbindung zur Popkultur: Er war eines der Stunt-Doubles für Sandra Dee im ersten „Gidget“-Film, der das Surfen in Amerika populär machte. Es wird sogar gemunkelt, dass er mit Kathy „Gidget“ Koehner, der realen Inspiration für den Film, ausgegangen ist.
Mickey Muñoz
Geboren: 1937 in New York City
Spitzname: „The Mongoose“ (Das Mungo)
Renommierter Surfboard-Shaper und Designer
Einer der ersten Big-Wave-Surfer in Waimea Bay (1957)
Erfinder der „Quasimodo“-Surfpose
Stunt-Double für Sandra Dee im ersten „Gidget“-Film
Gehörte zur ersten Generation moderner Surfer in Kalifornien (1950er)
Teil der legendären Crew um Greg Noll und Pat Curren
Maßgeblich an der Entwicklung des Big-Wave-Surfings beteiligt
Pionier des Big-Wave-Surfings
Muñoz‘ Beitrag zur Surfgeschichte geht weit über Malibu hinaus. Zusammen mit Surflegenden wie Greg Noll, Pat Curren, Mike Stange und Buzzy Trent gehörte er zu den ersten Surfern, die die winterliche Pilgerreise nach Hawaii unternahmen. Im November 1957 war er Teil der mutigen Gruppe, die erstmals die gewaltigen Wellen von Waimea Bay bezwang – ein Meilenstein in der Geschichte des Big-Wave-Surfings.
Als Erfinder des „Quasimodo“, einer charakteristischen Surf-Pose mit nach vorne gebeugtem Kopf, hat Muñoz auch seinen eigenen Stil in die Surfwelt eingebracht. Anders als viele seiner Zeitgenossen ist er dem Surfen auf hohem Niveau bis ins hohe Alter treu geblieben.
Das Geheimnis der Langlebigkeit: Wie man bis 100 surft
Was ist Muñoz‘ Geheimnis für ein langes, aktives Leben im Wasser? Im Video teilt er seine einfache, aber wirkungsvolle Philosophie: „Ich versuche, Ärzten fernzubleiben, ich versuche, gutes Essen zu essen und gute Gedanken zu denken und jeden Tag zu laufen“, erklärt er.
Doch es geht nicht nur um körperliche Gesundheit. Munoz betont die Bedeutung der mentalen Einstellung: „Es gibt keine schlechten Wellen – nur eine schlechte Wahl der Ausrüstung und eine miese Einstellung!“ Dieser Optimismus zieht sich durch sein gesamtes Leben und hat ihm geholfen, Herausforderungen zu meistern. „Wenn du Perfektion jagst, wirst du sie nie finden oder einholen, aber es hält dich im Spiel“, philosophiert er. Diese Einstellung – immer nach Verbesserung zu streben, ohne von Perfektion besessen zu sein – hat ihm geholfen, auch mit 87 Jahren noch Freude am Surfen zu finden.
„Surf deine Träume, aber verträume nicht dein Leben.“
Der beste Barrel seines Lebens
Im Video erinnert sich Muñoz an den besten Barrel (Röhre) seines Lebens, den er in Desert Point erlebte: „Ich dachte nur: ‚Nein, das ist unmöglich. Ich kann diese Welle nicht schaffen.‘ Und ich schaffte sie trotzdem. Ich kam mit diesem breiten Grinsen heraus, als hätte ich Acid genommen.“
Ein zeitloses Vermächtnis
Kyle Buthmans Video hat Mickey Muñoz einer neuen Generation von Surfern vorgestellt und zeigt, dass Alter kein Hindernis für Leidenschaft sein muss. Seine Präsenz in der Surfwelt inspiriert jüngere Generationen und beweist, dass das Surfen ein Lebensstil ist, der Körper und Seele bis ins hohe Alter nähren kann.
„Surf deine Träume, aber verträume nicht dein Leben“, lautet sein Rat an jeden Surfer – und Nicht-Surfer. Mickey Muñoz hält den Tod mit Salzwasser und Sonnenaufgängen in Schach. Und mit etwas Glück – und guten Wellen – könnte dieser Tanz tatsächlich weit über die 100 hinausgehen.
Quellen:
– Kyle Buthman: „How to surf till you’re 100, BRAINWORK: MICKEY MUNOZ“ (YouTube)
– The Inertia: „Mickey Muñoz on How to Surf Until You’re 100 Years Old“
– SurferToday.com: „How to surf until you’re 100, according to Mickey Muñoz“
– Surfer Magazine: „How To Surf Till You’re 100, Brainwork: Mickey Munoz“
– Liquid Salt Magazine: „Mickey Muñoz Interview“
– Stab Magazine: „This Is How Mickey Munoz Plans To Be Surfing At Age 100“






