Keeping in the Shadows: Wenn eine Surf-Doku zur Ode ans Surfen wird

Keeping in the Shadows
Quelle: keepingintheshadows.com/

Wer lange genug Surf-Filme schaut, kennt die Mechanik: der schnelle Aufbau, die große Musik, jede Section als neues Versprechen. Keeping in the Shadows von Perry Gershkow entscheidet sich bewusst für einen anderen Takt. Der Film nimmt sich Zeit – für das, was auf Surfreisen oft genauso prägend ist wie die Welle selbst: frühe Morgen, lange Tage im Wasser, logistisches Chaos unterwegs und die ruhigen Momente, in denen eine Reise plötzlich persönlicher wird, als man es geplant hatte. Genau dort setzt diese Doku an – ohne den Anspruch, alles zu erklären, aber mit dem Versuch, etwas festzuhalten, das sich nicht in Highlights messen lässt.

Keeping in the Shadows

Keeping in the Shadows

  • Format: Surf-Doku
  • Regie: Perry Gershkow
  • Im Fokus: Noah Wegrich
  • Drehzeit: über 6 Jahre begleitet
  • Schauplätze: Reise durch 5 Länder
  • Laufzeit: ca. 80 Minuten

Worum geht’s konkret?

Im Zentrum steht Noah Wegrich. Der Film begleitet ihn über sechs Jahre auf einer Reise, die sich über fünf Länder spannt. Wer daraus eine sauber gezogene Dramaturgie erwartet, wird eher eine andere Form von Erzählung finden: eine, die sich aus Etappen zusammensetzt – aus Sessions, Strecken, Pausen und Richtungswechseln. Die Filmseite nennt das eine „visually rich surf odyssey“; das trifft es insofern, als hier nicht ein Ort „abgearbeitet“ wird, sondern eine Bewegung dokumentiert wird, die sich über Jahre ausdehnt. Mit rund 80 Minuten bleibt der Film dabei angenehm auf Spielfilmlänge. Wer ein Gefühl für Ton, Tempo und Blick des Films bekommen will: der Trailer zeigt, welche Art Reise Keeping in the Shadows eigentlich ist.

Trailer: Keeping in the Shadows

Was dich im Film erwartet

Wenn man sich daran orientiert, wie der Film sich selbst beschreibt, dann bewegt sich Keeping in the Shadows auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Natürlich geht es um Surfen – um Wellen, um Timing und um dieses klare Gefühl von Fokus und Präsenz, das sich manchmal erst einstellt, wenn alles andere wegfällt. Gleichzeitig wirkt der Film nicht wie eine reine Abhakliste der besten Turns oder der schwersten Sections, sondern nimmt sich bewusst die Freiheit, auch das Dazwischen stehen zu lassen. Genau dieses „Dazwischen“ hängt eng mit dem zweiten Strang zusammen, den die Macher selbst betonen: Reise-Realität statt Reise-Romantik. „Between travel chaos, early mornings, and long days in the water“ ist der Rahmen, in dem die Geschichte passiert – und wer schon einmal mit Boards, Zeitdruck und Wetterfenstern gelebt hat, weiß, dass sich die eigentliche Dynamik eines Trips oft genau dort entscheidet. Dazu kommt als drittes Element eine spürbare Nähe über Gespräche: Der Film öffnet Raum für intime, ungeskriptete Momente, für Humor, Reflexion und Ehrlichkeit – Dinge, die einzelnen Abschnitten ihren eigenen Puls und eine eigene Persönlichkeit geben. Unterm Strich ist das ein ziemlich klares Signal: Keeping in the Shadows erzählt nicht nur von Orten und Conditions, sondern vor allem von den Menschen, die sich durch diese Reise bewegen.

Die Crew: viele Namen, eine gemeinsame Linie

Noah Wegrich ist unterwegs mit einer Crew, die Perry Gershkow als Freundeskreis beschreibt. Im Film wirkt diese Gruppe weniger wie ein Cast, der brav aufgezählt werden will, sondern wie ein wechselndes Line-up, das sich je nach Ort, Swell und Stimmung neu sortiert: Mal stehen Nat Young sowie Tanner Gudauskas und Pat Gudauskas im Vordergrund, mal tragen Torren Martyn, Parker Coffin, Cliff Kapono oder Conor Maguire die jeweilige Etappe – und drumherum läuft eine zweite Ebene mit, die Surfreisen erst rund macht: Gespräche, Reibung, Humor, dieses stille Einverständnis, das nur entsteht, wenn Menschen lange genug zusammen unterwegs sind. Was auf den ersten Blick nach klassischem Name-Dropping aussieht, liest sich im Surfen-Kontext anders: Die Namen markieren nicht nur Prominenz, sondern auch Blickwinkel – sie geben einen Hinweis darauf, welche Stile, Stimmen und Energien diese Reise im Film zusammenbringt.

Perry Gershkows Ansatz: bewusst langsam, bewusst gemacht

Keeping in the Shadows versteht sich als Ode an die Surf-Filme, mit denen Perry Gershkow aufgewachsen ist. Entscheidend ist dabei weniger Nostalgie als Arbeitsweise: Perry Gershkow spricht davon, etwas zu schaffen, das sich neu anfühlt – etwas, dem man sich ganz hingeben kann, das man aber auch bewusst ruhen lässt, um später mit klarerem Blick zurückzukommen.

Dazu passt die zweite Leitidee, die der Film mitträgt: Tempo rausnehmen, im eigenen Rhythmus arbeiten, zuhören statt reflexhaft reagieren – und dem Material genug Raum geben, damit Neugier nicht erzwungen wird, sondern wachsen kann. In einer Zeit, in der Surfen-Content oft in Sekunden gedacht wird, ist das eine klare Setzung: Keeping in the Shadows möchte nicht nur zeigen, dass jemand surft, sondern ein Gefühl dafür geben, warum eine Crew über Jahre an so einem Projekt festhält.

Für wen ist KITS gedacht?

Ohne daraus ein Urteil zu machen, lässt sich die Ausrichtung gut beschreiben: Keeping in the Shadows dürfte besonders für diejenigen interessant sein, die Surf-Filme mögen, die Atmosphäre und Rhythmus zulassen – und die neben Performance auch das Unterwegssein und die menschlichen Zwischentöne ernst nehmen. Wer sich für eine Doku interessiert, die Surfen nicht nur als Action, sondern auch als Gesprächsanlass, Reiseform und Langzeitbeobachtung versteht, findet hier vermutlich genau das Setting.

8f3f8dfd49674c25b3eaa0c42cc2d15a
Bild von Team Coastaluna

Team Coastaluna

Share the Post: