Paradigm Lost: Eine Surf-Doku über Kai Lenny und das große Ganze

Paradigm Lost Kai Lenny

Wer schon mal versucht hat zu erklären, warum er plötzlich vom Surfen zum Kiten gewechselt ist oder warum das SUP an windstillen Tagen doch seine Berechtigung hat, kennt das Problem: Die meisten verstehen es nicht. Kai Lenny hat sich diese Diskussionen gespart und einfach einen Film darüber gemacht. „Paradigm Lost“ aus dem Jahr 2017 zeigt, was passiert, wenn man aufhört, in Kategorien zu denken.

Paradigm Lost - Kai Lenny

Paradigm Lost

  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Laufzeit: 60 Minuten
  • Genre: Surf-Dokumentation
  • Regie: Johnny DeCesare und Kai Lenny
  • Produktionszeit: 3 Jahre (2014-2017)
  • Produktion: Red Bull Media House

Ein Film, der Zeit hatte

„Paradigm Lost“ ist das Ergebnis von drei Jahren Arbeit, gedreht in sechs verschiedenen Ländern. Klingt nach einem aufwendigen Projekt – und das war es auch. Aber nicht im Sinne von Hollywood-Spektakel, sondern eher wie ein ausgedehnter Surftrip mit Freunden, bei dem zufällig eine Kamera dabei war.

Regisseure Johnny DeCesare und Kai Lenny haben sich die Zeit genommen, die es braucht, um zu zeigen, wie vielseitig Wassersport sein kann. Das Ergebnis sind 60 Minuten in 4K-Qualität, die von Hawaii über Europa bis nach Südafrika und Fiji führen. Red Bull Media House war mit an Bord – ein gutes Zeichen für die Produktionsqualität, ohne dass der Film wie ein Werbespot wirkt.

Kai Lenny: Der Hawaiianer, der sich nicht entscheiden wollte

Kai Lenny ist so etwas wie das Gegenteil eines Spezialisten. Während andere ihr Leben lang an der perfekten Tube arbeiten, springt er zwischen Big Wave Surfing, Kitesurfing, Windsurfing und SUP hin und her. Mit sechs Jahren stand er zum ersten Mal auf dem Board – seitdem hat er offenbar beschlossen, dass ein Board nicht genug ist.

Das könnte nach Unentschlossenheit aussehen, ist aber das Gegenteil: Kai Lenny hat verstanden, dass der Ozean der Spielplatz ist, nicht das Equipment. Eine Philosophie, die in „Paradigm Lost“ konsequent durchgezogen wird.

Mehr als nur ein One-Man-Show

Der Film zeigt nicht nur Kai Lenny, sondern auch andere bekannte Namen der Szene: Ridge Lenny, Albee Layer, Dusty Payne, Matt Meola, Jamie O’Brien und Ian Walsh. Jeder bringt seine Expertise mit, aber der Fokus liegt nicht auf Wettkampf oder Vergleich, sondern darauf, wie unterschiedliche Herangehensweisen am Ende zum gleichen Ziel führen: Spaß auf dem Wasser.

Die Sessions wirken entspannt und authentisch – so, als würde man mit Freunden am Spot stehen und zusehen, wie sie ihre Sache machen. Ohne großes Getöse, ohne künstliche Dramaturgie.

Das Foil-Kapitel

Ein großer Teil von „Paradigm Lost“ beschäftigt sich mit Surf Foils. 2017 war das noch Neuland für viele – heute wissen wir, dass Kai Lenny und seine Crew ziemlich früh erkannt haben, wohin die Reise geht. Der Film zeigt, wie er andere Profisurfer an die neue Technologie heranführt.

Rückblickend wirkt das fast visionär. Foiling hat sich mittlerweile in fast allen Wassersportarten etabliert und die Art, wie wir über Wellen denken, grundlegend verändert. „Paradigm Lost“ dokumentiert diese Entwicklung zu einem Zeitpunkt, als noch nicht klar war, ob sich das Ganze durchsetzen würde.

Bilder, die funktionieren

Die Kameraarbeit von Johnny DeCesare, Dan Norkunas und Tyler Hamlet macht das, was gute Surf-Cinematografie ausmacht: Sie zeigt, worum es geht, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die 4K-Aufnahmen sind technisch sauber, die Unterwassershots beeindruckend, aber nie Selbstzweck.

Zwischen den Action-Sequenzen gibt es ruhigere Momente, in denen die Protagonisten erzählen, was sie antreibt. Das wirkt ungestellt und ehrlich – so, als würde man nach der Session am Strand sitzen und einfach reden.

Was bleibt

„Paradigm Lost“ ist kein Film, der das Surfen neu erfindet oder große Botschaften verkündet. Er zeigt einfach, was möglich ist, wenn man aufhört, sich selbst zu begrenzen. Kai Lenny und seine Crew leben vor, dass Wassersport mehr sein kann als die Perfektionierung einer einzigen Disziplin.

Für alle, die sich schon mal gefragt haben, warum man sich eigentlich auf eine Wassersportart festlegen sollte, liefert der Film eine entspannte Antwort. Und für alle anderen ist es einfach eine Stunde guter Surf-Content mit Bildern, die Lust aufs Wasser machen.

Kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber definitiv sehenswert.

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Bild von Team Coastaluna

Team Coastaluna

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